vögel: Elektrosmog stört Zugvögel

Vögel | 14. Mai 2014

Elektrosmog stört Orientierung von Zugvögeln. Das fanden Oldenburger Wissenschaftler heraus.

Elektrosmog hat unterhalb bestimmter Grenzwerte keine Auswirkungen auf biologische Prozesse oder gar auf die menschliche Gesundheit — das galt bisher als Stand der Wissenschaft. Erstmals konnte nun ein Forscherteam um Prof. Dr. Henrik Mouritsen, Biologe und Lichtenberg-Professor an der Universität Oldenburg, das komplette Versagen des Magnetkompasses von Rotkehlchen nachweisen, sobald elektromagnetische Störungen im Mittelwellenbereich auf die Vögel einwirken — selbst wenn die Signale nur ein Tausendstel des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unbedenklich eingestuften Grenzwerts betragen.

Bei Untersuchungen zur Navigationsfähigkeit von Vögeln stellten die Wissenschaftler fest, dass Rotkehlchen in Holzhütten auf dem Campus der Universität Oldenburg nicht ihren Magnetkompass nutzen konnten. Erst nach dem Abschirmen der Hütten mit geerdeten Aluminiumplatten hatten die Vögel plötzlich keine Probleme mehr, sich zu orientierten, und fanden ihre Zugrichtung. So konnte ein eindeutiger und reproduzierbarer Effekt menschlich verursachter elektromagnetischer Felder auf ein Wirbeltier dokumentiert werden. Diese Störungen stammten nicht von Stromleitungen oder Mobilfunknetzen, sondern im Wesentlichen von Elektrogeräten. Die Intensität der Störungen lag weit unter den Grenzwerten der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Um den beobachteten Effekt sicher zu beweisen, wurden bewusst über sieben Jahre hinweg zahlreiche Experimente durchgeführt und belastbare Beweise gesammelt. Dabei zeigte sich: Sobald die Erdung entfernt wurde oder das elektromagnetische Breitbandrauschen absichtlich innerhalb der abgeschirmten und geerdeten Holzhütten erzeugt wurde, büßten die Vögel ihre Fähigkeit zur magnetischen Orientierung wieder ein.

Die Wissenschaftler konnten zudem nachweisen, dass die Störeffekte durch elektromagnetische Felder hervorgerufen werden, die einen viel breiteren Frequenzbereich in einer weit geringeren Intensität abdecken, als frühere Untersuchungen vermuten ließen. Dieses elektromagnetische Breitband-Rauschen ist im urbanen Umfeld allgegenwärtig. Es entsteht überall dort, wo Menschen elektrische Geräte benutzen. Erwartungsgemäß ist es in ländlicher Umgebung deutlich schwächer.

Anders als auf dem Campus der Universität funktionierte der Magnetkompass der Rotkehlchen in Orientierungskäfigen, die ein bis zwei Kilometer vor den Toren der Stadt aufgestellt wurden, auch ohne Abschirmung und Erdung. Die Auswirkungen des Elektrosmogs auf den Vogelzug sind somit lokal begrenzt. Dennoch sollten diese Ergebnisse zu denken geben — sowohl was die Überlebenschancen der Zugvögel als auch was mögliche Effekte für den Menschen angeht, die es noch zu untersuchen gilt.

Die Ergebnisse der von neun Oldenburger Wissenschaftlern gemeinsam mit Prof. Dr. Peter J. Hore von der University of Oxford (Großbritannien) durchgeführten langjährigen Forschungen sind jetzt in der aktuellen Ausgabe der renommierten englischsprachigen Fachzeitschrift Nature unter dem Titel „Anthropogenic electromagnetic noise disrupts magnetic compass orientation in a migratory bird“ erschienen.

COPYRIGHT:  Vögel Magazin

Quellennachweis vom 15. Mai 2014: http://www.voegel-magazin.de/Beitraege/Beitraege_Detail.php?id=1001