KRYO-KUNSTSTOFF-RECYCLING

Die sog. thermische Behandlung von Restmüll ist weder ein (energetisches) Verwertungsverfahren (Entscheidung des EuGH, 2004) noch ein Beseitigungsverfahren von Müll, wie die Bundesregierung meint und in der 17. BImschV zum Schaden unserer Gesundheit und der Umwelt sanktioniert.

Der Restmüll wird nicht beseitigt, kein einziges Atom des Restmülls...

Gründe für die Notwendigkeit des Kryo-Kunststoff-Recyclings nach Prof. Rosin

 

Hauptgrund: Die sog. thermische Behandlung von Restmüll ist weder ein (energetisches) Verwertungsverfahren (Entscheidung des EuGH, 2004) noch ein Beseitigungsverfahren von Müll, wie die Bundesregierung meint und in der 17. BImschV zum Schaden unserer Gesundheit und der Umwelt sanktioniert.

Der Restmüll wird nicht beseitigt, kein einziges Atom des Restmülls wird beseitigt. 

Verbrennung ist die thermolytische Zerreißung brennbarer Moleküle in hochreaktive Molekülbruchstücke, Radikale. Diese Radikale werden nur z.T. oxidiert. Ein anderer - beachtlicher - Teil reagiert mit Chlor-, Fluor-, Brom- Radikalen im Rohgas, wird also in äußerst problematischer Weise halogeniert. In der Hitze des Feuerraums werden zwar viele Strukturen zerstört und Moleküle (auch Dioxine) zerrissen; aber während der Abkühlung des aggressiven Verbrennungsrohgases rekombinieren die thermolytisch entstehenden Radikale in chaotischer Weise zu neuen Molekülen.  Unter diesen befinden sich u.a. auch unzählige Moleküle, die zur Klimaveränderung beitragen, die Natur belasten und unsere Gesundheit vielfältig schädigen, u.a. auch Chlor-, Fluor-, Brom-Dioxine und flüchtige Metallverbindungen. 

Das Volumen des Restmülls wird reduziert und auch ein kleinerer Teil seiner Masse, indem dieser Masseanteil sich verändert, in die Umgebung verflüchtigt, dort aber fein verteilt, nicht mehr rückholbar, persistiert und durch Langzeitwirkungen Schäden an der Natur und unserer Gesundheit verursacht.

Der Feuerungsprozess in der MVA beseitigt nicht, sondern wandelt nur um:

¨      in poröse sog. Schlacke, die bestenfalls an ihren Oberflächen inert ist, aber im Inneren der Poren hoch problematisches ungereinigtes Rauchgas enthält,

¨      in hochtoxische Filterstäube und toxischen Schlamm aus dem Waschwasser,

¨      in vergiftete Verbrennungsluft, die als Dampf und Abgas die MVA verlässt.

 

 

Warum gäbe es ohne Kunststoff-Verbrennung keine MVA ?

 

1)   Kunststoffe enthalten kein Wasser und saugen sich auch nicht mit Wasser voll, wie Holz, Textilien oder Papier, wenn sie mit wassereichen Speiseresten im Restmüll vermischt werden.

2)   Der Brennwert der Kunststofffasern (Kohlenwasserstoffpolymere) ist unbedingt nötig, damit - trotz des hohen Wasseranteils im Restmüll - überhaupt eine Verbrennung  in Gang kommt und (ohne ständige Stützfeuerung) selbständig fortschreitet, also ein ausreichender unterer Heizwert (Hu) erreicht wird.

 

 

Warum sagt die MVA- Lobby, dass man mit Alt-Kunststoffen nichts besseres anfangen könne, als sie zu verbrennen, um (sehr wenig) Strom daraus zu ziehen ?

 

1)   Die Kunststoffhersteller fordern, Alt-Kunststoffe müssten sauber und sortenrein sein, damit sie wieder in hochwertige neue Produkte einbezogen werden können.

2)   Gebrauchte Kunststoffprodukte seien aber oft im Verbund mit anderen Materialien untrennbar verschweißt, oft durch den Gebrauch verschmutzt oder durch Aufdrucke oder Abrieb verändert, also für ein Recycling ungeeignet.

3)   Das Fremdmaterial an recyclierten Alt-Kunststoffen könne Schwachstellen in neuen Produkten verursachen. Das sei mit der  Produkthaftung des Herstellers unvereinbar.

 

 

Warum ist das Kryo- Kunststoff-Recycling dennoch zu empfehlen ?

 

1)   Altkunststoffe sind durch den Gebrauch i.d.R. nur an ihrer Oberfläche verändert, verunreinigt, verbraucht (Beispiele: alte Kunststofffensterrahmen, Küchen- und Gartengeräte, Armaturenbretter und Stoßfänger von Autos usw. ).

2)   Nur die dünnen Oberflächenschichten gebrauchter Kunststoffprodukte sind für ein echtes Materialrecycling tatsächlich unbrauchbar. Aber, die im Inneren befindliche Grundmasse eines Kunststoffproduktes ist auch nach jahrelangem Gebrauch noch völlig intakt und für ein echtes Materialrecycling gut geeignet. 

3)   80 - 90 % der Masse eines gebrauchten Kunststoffproduktes gehören zu dieser gut recycelbaren, intakten Grundmasse. Um diesen hohen Anteil intakter Grundmasse geht es.  Wenn er als schon fertiges Material wiedergewonnen und weiter genutzt werden könnte, wäre viel gewonnen (Einsparung der Energie für Neusynthesen, Ressourcenschonung, Verhinderung der Giftbildung bei der Verbrennung).

4)   Die Abtrennung der Oberflächenschichten von der intakten Grundmasse erfordert jedoch eine Feinmahlung der Alt-Kunststoffe.

5)   Etwa 90 % der angewandten Kunststoffe gehören zu den sog. Thermoplasten, d.h. zu den Kunststoffarten, die bei Umgebungstemperatur zäh-elastisch und unzerbrechlich sind, die aber bei tiefen Temperaturen verspröden, d.h. steif und brüchig werden und sich dann auch fein vermahlen lassen. 

6)   Bei Umgebungstemperatur lassen sich diese Kunststoffe bestenfalls zu groben Kunststoffschnitzeln von etwa Fingernagelgröße shreddern. Das ist viel zu grob. Diese Schnitzel beinhalten Anteile der veränderten Oberflächen und setzen sich oft aus zwei Komponenten zusammen, wenn Verbundmaterial geshreddert wurde. Außerdem wird die Materialqualität der hochtourig  geshredderten Kunststoffschnitzel an ihren Schnittflächen durch hohe Reibungswärme zusätzlich beschädigt.

7)   Dieses Shreddermaterial ist also für ein hochwertiges Recycling ungeeignet; wenn im Einzelfall behauptet wird, dass solche Shredder- Recyclate dennoch gut weiterverarbeitet werden, z.B. zu Auto-Stoßfängern, dann sind die Anforderungen  an die Sortenreinheit bei bestimmtem Produkten doch nicht so groß wie sonst immer behauptet wird.

8)   Günstiger für die Energiebilanz, für die Materialqualität und für die Sortenreinheit der Recyclate ist es in jedem Fall, Thermoplaste bei tiefen Temperaturen, bei Versprödungstemperaturen, zu feinen Körnern zu zermahlen und danach qualitativ voneinander zu separieren und zu sortieren (und sortiert unter Schutzgas zwischenzulagern ).

 

 

Wie ist zu erklären, dass die Versprödung der Alt-Kunststoffe nicht zu viel Energie kostet, also auch wirtschaftlich vorteilhaft ist ?

 

1)   Wie oben schon erwähnt enthalten Kunststoffe kein Wasser. Die Abkühlung auf tiefe Temperaturen ist also kein Gefriervorgang, wie bei den Erdbeeren in der Tiefkühltruhe.

2)   Die Kunststoffe müssen nicht erst in einen festen Aggregatzustand überführt werden, sie sind schon fest.

3)   Die Wärmekapazität der Kunststoffe ist gering, d.h. die Abkühlung auf tiefe Temperaturen gelingt mit nur geringem Energieaufwand.

 

4)   Bei sinkender Temperatur passiert nichts anderes als eine Annäherung der Kunststofffasern durch Kälteschrumpfung, bis Massekräfte den Zusammenhalt zwischen den vorher frei verschieblichen  Polymeren übernehmen und verstärken. Dadurch werden die sonst "unzerbrechlichen" Kunststoffe spröde, brüchig und leicht zu kleinen Korngrößen mahlbar.

5)   Die winzige Annäherung der Polymere bis die Massekräfte einsetzen, ist mit wenig Energieeinsatz erreichbar. Die Kunststoffe sind für das Kryo-Recycling geradezu prädestiniert.

6)   Ein weiterer Vorteil ergibt sich bei der Mahlung von tiefgekühlten Verbundstoffen. Jede Komponente im Verbundmaterial hat ihren eigenen Kälteschrumpfungsgrad. Bei tiefen Temperaturen treten also Spannungen an den Grenzflächen der einzelnen Materialkomponenten auf. Wenn jetzt eine Mühle dieses in sich gespannte Material unter Druck setzt, trennen sich die Komponenten sauber an ihren Grenzflächen voneinander ab, z.B. lassen sich die Metalle in Leiterplatinen so sauber von der Kunststoffgrundlage, in die sie eingeschweißt sind, lösen.

 

 

Was ist neu am Kryo- Kunststoff-Recycling nach Prof. Rosin im Vergleich zu anderen, konventionellen Cryogen - Verfahren, z.B. dem von der Fa. Messer-Griesheim ?

 

1)   Alle konventionellen Tiefkälteverfahren, auch das Cryogen -Recycling der Fa. Messer-Griesheim, verwenden flüssigen Stickstoff zur Erzeugung der erforderlichen tiefen Temperaturen.

2)   Der eingesetzte flüssige Stickstoff verfliegt bei der Kühlung der Abfälle in die Umgebungsluft und muss erst über aufwendige Luftverflüssigungsverfahren neu in die flüssige Form gebracht werden, ehe damit weiter gekühlt werden kann.

3)   Dieses Tiefkältesystem ist also ein teures "offenes System" und kein "geschlossenes" System, wie der Kältemittelkreislauf in einem Kühlschrank oder einer häuslichen Tiefkühltruhe. Mit "geschlossenen" Kältemittelkreisläufen waren die erforderlichen tiefen Temperaturen bisher nicht bzw. nicht in wirtschaftlich geeigneter Weise erreichbar.

4)   Das hat sich geändert, seitdem Prof. Rosin und seine Mitarbeiter ihre Erfahrungen mit dem FCKW- und FKW- freien Öko-Kühlschrank "Greenfreeze" weiterentwickelten. Sie sind jetzt in der Lage , mit einer Dreifachmischung aus natürlichen Kohlenwasserstoffen in einem einzigen  "geschlossenen" Kältemittelkreislauf Tiefkühlung bis hinunter zu -160°C zu erreichen.

5)   Diese neue indirekte Kühlsystem mit geschlossenem Kältemittelkreislauf ist sehr viel preiswerter als alle Cryogen- Verfahren mit flüssigem Stickstoff. Nach dem Vorschlag von Prof. Rosin und Mitarbeitern wird die Effizienz und der Preisvorteil noch dadurch gesteigert, dass die indirekte Kühlung mit einem direkt wirkenden Kühlsystem (nach dem Heat-Pipe-Prinzip) in einem kompakten Kältetunnel kombiniert wird. Alle Teilprozesse des neuen Kühlsystems sind auf Effizienz und Machbarkeit hin in kleineren Anlagen (Laboranlagen) untersucht und von Fachleuten überprüft worden. Die Fachleute der Fa. Messer-Griesheim wollten an der industriellen Weiterentwicklung der Kohlenwasserstoff-Tiefkältetechnik gerne mitarbeiten. Dies wurde vom damaligen Mutterkonzern, der Fa. Hoechst, untersagt. Die Fa. Leto - Recycling in Almelo /Holland, die das Cryogen- Verfahren mit flüssigem Stickstoff wirtschaftlich erfolgreich einsetzt, weil sie sich auf das Recycling sondermüllpflichtiger Abfälle, wie Farben, Lacke Öle, spezialisiert hat, bekundete öffentlich Interesse an der neuen Kohlenwasserstoff-Tiefkältetechnik, weil damit ein viel größeres Anwendungsfeld eröffnet werden könnte als mit dem konventionellen flüssigen Stickstoff.

6)   Auch für die Mahltechnik und die anschließende Sortiertechnik haben Prof. Rosin und Mitarbeiter von Fachleuten als gut und  machbar anerkannte Vorschläge erarbeitet und experimentell erprobt, bis das Hygiene-Institut der Stadt Dortmund, das Prof. Rosin leitete, durch die Stadtverwaltung Dortmund im Rahmen einer Privatisierungsmaßnahme geschlossen wurde.

7)   Das generelle Kunststoff-Recycling scheint industriell  und demzufolge  politisch noch unerwünscht zu sein, obwohl es sich als sehr wirtschaftlich erwiesen hat und ökologisch längst dringend geboten ist.